KULTURDENKMAL

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Zwischen 1905 und 1912 entstand der Sprudelhof mit insgesamt 386 Badezellen, Verwaltungsgebäuden und neuen Fassungen für die Sprudel. Die reich verzierten Badehäuser, die üppig ornamentierten Wartesäle und Schmuckhöfe zeigen wundervolle Jugendstil-Ornamentik. Die Schmuckhöfe und Warteräume der sechs Badehäuser wurden mit zahlreichen künstlerischen Details gestaltet. Die Ornamentik der Brunnen, Figuren und Dekore bezieht sich auf das Wasser als gesundheitsspendende Kraft. Muscheln, Fische, Seesterne und Krebse aber auch mythische Gestalten bewegen sich zwischen den Wellen und sprudelnden Quellen.
Das Besondere: In der Mitte der Anlage entspringen in einem großen Sprudelbecken zwei Fontänen: der Große Sprudel und der Friedrich-Wilhelm-Sprudel. Daneben befindet sich der Ernst-Ludwig-Sprudel in einem von acht Robben getragenen Becken.

Zwischen 1910 und 1912 entstand schließlich die Trinkkuranlage. Die hufeisenförmige Anlage umschließt einen Innenhof mit einer Trinkhalle, Wandelgängen und einer großen Konzertmuschel. Davor befindet sich ein rechteckiges Wasserbecken. Am Ende der westlichen Wandelhalle folgt der Kurbrunnen. Durch einen Gang kommt man zur Trinkhalle. In der Mitte ist ein achteckiger Brunnen mit goldener Kuppel und Bekrönung, der Wasser spendet.
Etwas weiter entfernt vom Bahnhof befand sich die Maschinenzentrale mit Elektrizitäts- und Fernheizwerk. Hiermit wurden sämtliche Bade-, Kur- und Wirtschaftseinrichtungen mit Energie und Wärme versorgt. Die Wirtschaftsgebäude waren: eine Dampfwaschanstalt, eine Eisfabrik und die Salinengebäude, in denen bis Mitte des 20. Jahrhunderts Salz gewonnen wurde.

Das Kurhaus (erbaut 1862-64) wurde schließlich ebenso umgestaltet und ausgebaut: Die Terrasse und der Kurgarten wurden erweitert, außerdem errichtete man hier einen Musiktempel und einen großen, reich geschmückten Konzertsaal.

Regierungsbauinspektor Wilhelm Jost zeichnet sich ebenso für das 1902 erbaute Inhalatorium verantwortlich. Heute befindet sich darin die städtische Bücherei.


Jugendstil Bad Nauheim

Jugendstil und Bad Nauheim? Passt das zusammen? Auch wenn es nur wenige wissen: Bad Nauheim ist für seine Jugendstil-Bauwerke berühmt.

Das Sole-Thermalbad

Das Sole-Thermalbad am Taunusrand bietet neben seinen Heilquellen einzigartige Parklandschaften, Rosenfeldern und Jugendstilgebäuden. Der Sprudelhof ist darüber hinaus das Wahrzeichen der Stadt. Sie ist die größte geschlossene Jugendstilbadeanlage Europas. Zwischen 1904 und 1912 entstand mit der „Trinkkuranlage“ und dem „Sprudelhof“ diese Anlage. Dank dieser herausragenden Architektur wurde Bad Nauheim Mitglied im europäischen Jugendstilnetzwerk „Réseau Art Nouveau Network“. Gratulation!

Damit ist das mittelhessische Heilbad zusammen mit Darmstadt eine der beiden deutschen Städte in diesem Jugendstil-Netzwerk. Und das immerhin neben Jugendstilstädten wie Barcelona, Brüssel oder Budapest!

Etwas Hintergrundgeschichte

Um 1900 gehörte Bad Nauheim zu den führenden Bädern Deutschlands. Immer mehr Kurgäste führten dazu, dass der Andrang in den bestehenden Badehäusern kaum noch zu bewältigen war. Außerdem kamen immer mehr Gäste aus dem Adel und der Hochfinanz in die aufstrebende Kurstadt. Es musste also eine Lösung gefunden werden.

Dank Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein (1868-1937) besaß Bad Nauheim einen fortschrittlichen und kunstbegeisterten Landesfürsten, der sich schon in der Mathildenhöhe in Darmstadt ein Jugendstil-Denkmal gesetzt hatte. Regierungsbauinspektor Wilhelm Jost wurde beauftragt, von 1902 bis 1912 die Bade-, Kur- und Wirtschaftsanlagen einheitlich zu gestalten.


(Quelle: Website:Kulturportal Hessen)